Name Kevelaer ist mit Lösung vieler Probleme verbunden

Erzbischof aus dem Niger dankt bei seinem Besuch für die großzügige Hilfe

KEVELAER. Mgr. Laurent Lompo, Erzbischof aus dem Niger, ist ein gern gesehener Gast in Kevelaer. Bei seinem jüngsten Besuch in der Marienstadt nutzte er die Gelegenheit, sich für die erneute, großzügige Hilfe der Kevelaerer Bürger zu bedanken und gemeinsam mit Wallfahrtsrektor Rolf Lohmann sowie Dr. Elke Kleuren-Schryvers von der Stiftung Aktion pro Humanität die Lage in seinem Heimatland zu erörtern. Nach Pfingsten seien die Not und der Hunger besonders groß gewesen, schließlich bat Lompo in Kevelaer um Hilfe.

Vor der gläsernen Litfaßsäule mit dem Lampedusa-Kreuz im Brunnen-Innenhof der Kevelaerer Basilika trafen sich Pastor Rolf Lohmann, Erzbischof Laurent Lompo und Elke Kleuren-Schryvers, Gründerin und Vorsitzende der „Aktion pro Humanität“ (v.l.).NN-Foto: Gerhard Seybert
Vor der gläsernen Litfaßsäule mit dem Lampedusa-Kreuz im Brunnen-Innenhof der Kevelaerer Basilika trafen sich Pastor Rolf Lohmann, Erzbischof Laurent Lompo und Elke Kleuren-Schryvers, Gründerin und Vorsitzende der „Aktion pro Humanität“ (v.l.).NN-Foto: Gerhard Seybert

„Wie so oft schon in der Vergangenheit fiel dieser Hilferuf auf außergewöhnlich fruchtbaren Boden”, erinnterte sich Dr. Elke Kleuren-Schryvers, Gründerin und Vorsitzende der „Aktion pro Humanität”. Durch viele Spenden, etwa durch die Stiftung der Familie Seibt in Wesel-Flüren sowie des Vereins „Wir helfen Kindern weltweit” und durch die Hilfe des Bistums Münster kamen innerhalb von drei Wochen 50.000 Euro zusammen. „Diese Unterstützung hilft uns, uns trotz aller Not wiederzufinden”, so Erzbischof Lompo. Es gebe ein Sprichwort, sagt er: „Man kommt immer an den Ort zurück, an dem man eine Lösung gefunden hat – weil man hofft, dort wieder eine Lösung zu finden.” Ein solcher Ort sei Kevelaer für ihn und viele Menschen im Niger. Unter anderem durch die Arbeit der „Aktion pro Humanität” seien inzwischen 31 Trinkwasserbrunnen gebaut worden oder in Planung, 750.000 Menschen hätten so Zugang zu sauberen Trinkwasser erhalten. Zudem wurde eine Krankenstation reaktiviert und neu eingerichtet. „Die Menschen kennen den Namen Kevelaer. Er ist mit der Lösung vieler Probleme verbunden”, betont Lompo Der Hunger ist neben Armut und der Gefahr durch terroristische Gruppen wie Boko Haram derzeit das dringlichste Problem im Niger, das die meisten der 17 Millionen Bewohner (98 Prozent Muslime, zwei Prozent sind Christen) des westafrikanischen Landes existentiell bedroht. „Hunger bedeutet, nur eine Mahlzeit am Tag zu bekommen”, erklärte der Erzbischof. Er weiß, wovon er spricht. Kennt er das Gefühl des Hungers doch aus eigenem Erleben und erinnert sich: „Als Junge kam ich abends von der Feldarbeit nach Hause und war hungrig. Meine Mutter hatte nichts zu essen für die Familie. Also ging ich zehn Kilometer weit ins Nachbardorf zu meiner Schwester und kehrte mit ein wenig Hirse nach Hause zurück.” Der Niger leidet häufig unter extremen Wetterbedingungen. Entweder vernichten Regenmassen oder Dürre die Ernten. Mit den Spendengeldern können in den Nachbarländern des Niger Lebensmittel eingekauft werden, um die schlimmste Not vorerst zu lindern. Der Niger ist, wie viele Staaten in Europa, Ziel von Flüchtlingen aus Westafrika. Trotz der bitteren Armut der Einheimischen werden die Flüchtlinge mit Nahrung versorgt, denn – so Bischof Laurent Lompo: „Bei Muslimen und Christen ist es ein Segenszeichen, Flüchtlinge aufzunehmen. Wir sagen uns: ,Heute haben sie Probleme, morgen haben wir Probleme – deshalb helfen wir ihnen heute.” Grundsätzlich sei wichtig, den Flüchtlingen wieder eine Perspektive – beispielsweise durch Ausbildung – in ihrer eigenen Heimat zu geben – damit sie sich nicht auf den oft tödlichen Weg durch die Wüste machen. Entsprechende Projekte würden von der Caritas und christlichen Organisationen begleitet. In diesem Zusammenhang stellte er ein weiteres Projekt in seiner Heimat vor, das durch Spenden aus Kevelaer mitfinanziert wird: „Buamtandi” ermöglicht es Frauen, eine Zukunftsperspektive zu entwickeln. Sie werden zum Beispiel beim Kauf eines Kalbes unterstützt, das sie nach einem Jahr der Aufzucht mit Gewinn verkaufen können. Oder bei der Anschaffung von Lebensmitteln, die sie einlagern und dann in Zeiten von Nahrungsknappheit zur Verfügung stellen.

„Wer so in die Zukunft plant, der hat eine neue Perspektive. Wenn ein solcher Perspektivwechsel kommt, dann haben die Menschen keinen Gedanken mehr daran, ihre Heimat zu verlassen”, sagt Lompo. Insgesamt 10.000 Frauen seien in dem Projekt mittlerweile organisiert, christliche wie muslimische. „Sie haben das Gefühl, eine Chance zu haben. Und sie arbeiten eng zusammen, tauschen sich aus, dadurch wird der interreligiöse Dialog gestärkt”, betont der Erzbischof. Wer das Projekt „Buamtandi” unterstützen möchte, kann seine Spende in die rote Säule im Brunneninnenhof der Basilika werfen. Weitere Informationen gibt es zudem auf der Seite www.pro-humanitaet.de im Internet. Wie sagte doch der kürzlich verstorbene Dr. Rupert Neudeck: „Du bist zuständig für die Not der anderen Menschen. Jetzt, sofort.”

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