Strahlende Gesichter auf und vor der Bühne: Prinz Johannes III. und Prinzessin Yvonne II. jubeln ihrem närrischen Volk zu. Bürgermeister Ulrich Knickrehm (l) kann sich schon mal darauf gefasst machen, dass ihm die jecken Regenten für die tollen Tage ganz sicher den Rathaussschlüssel abluchsen werden! NN-Foto: Rüdiger Dehnen

GOCH. „Öffnen Sie ihr Herz für uns Akteure, wir leben von ihrer Spontanität und ihrer Begeisterung!“ Das brauchte Josef Hondong, Sitzungspräsident des Festkomitees Gocher Karneval (RZK) der einmal mehr Prinzenkür moderierte, den Gästen am Freitagabend in der ausverkauften Sporthalle des Gymnasiums nicht zweimal zu sagen.

Bis weit nach Mitternacht herrschte rot-weißer Ausnahmezustand, galt es doch, das neue Prinzenpaar der Stadt Goch zu küren: Prinz Johannes III. (Hondong) und Prinzessin Yvonne II. (Gembler) von der Tanz- und Reitergarde des Clubs der Pferdefreunde Goch. Das jecke Zeremoniell ließ die Narrenherzen höher schlagen. Der Musikverein Goch, in fröhlichen rot-weißen Kostümen, spielte die Standarten aller Karnevalstreibenden Vereine aus Goch und die Prinzengarde 2016 in den Saal. Da schon jubelten die Gäste ihrem Prinzenpaar zu und der „Fanclub“ der Prinzessin stellte seine stimmlichen Qualitäten unter Beweis. Prinz und Prinzessin stammen bekanntlich beide aus karnevalistischem Hause, in ihren Familienstammbäumen finden sich lauter jecke Regenten – ganz klar, dass der Weg nur auf den Gocher Narrenthron führen konnte! Und wenn der eigene Vater mit auf der Bühne steht, dann ergeben sich aber auch ganz neue Einblicke in den Lebenslauf der Tollität; dass „Jogi“ zum Leidwesen seiner Eltern noch ledig ist, betonte Josef Hondong mehrere Male – der neue Prinz konterte später gelassen „Ihr könnt euch gar nicht vorstellen, wie froh ich bin, hier auf einer Partnerbörse zu sein…“

Das Sessions-Motto wärmt auch an kalten Tagen: Der Schal wird für den guten Zweck verkauft.
Das Sessions-Motto wärmt auch an kalten Tagen: Der Schal wird für den guten Zweck verkauft.

Bürgermeister Ulrich Knickrehm fiel dann die schöne Aufgabe zu, die neuen Tollitäten offiziell zu küren. Er freute sich, dass es bei seiner Premiere auch noch ein Prinz aus „seinem“ Karnevalsverein war. Als er Johannes III. die Prinzenkette umlegte, war es geschafft. Und der Bürgermeister war nicht zu nervös, um nicht doch eine kleine Spitze Richtung Kreisstadt zu schicken: „Johannes ist ja Gottseidank nicht alleine“, meinte er mit Blick auf die Prinzessin, wir sind ja hier nicht in Kleve…“

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Von ihren Vorgängern Ex-Prinz Ralf I. und Ex-Prinzessin Martina I. (IPK) bekamen die beiden den Rat, jeden Augenblick fest im Herzen zu bewahren, denn die Erinnerungen seien nach der Session das Schönste. Ganz pragmatisch empfahl Ralf I. seinem Nachfolger, das Zepter wirklich niemals aus den Augen zu lassen: „Sonst wird‘s teuer..“ So eine Lokalrunde geht ganz schön ins Geld! Und es gab noch eine Premiere: Als äußeres Zeichen der Prinzessinnen-Würde hat das RZK eigens beim Gocher Juwelier Schotten einen Orden in Silber und Gold anfertigen lassen. Dieser zeigt die Wappen aller Prinzenstellenden Vereine. Diesen Orden wird von nun an jede Gocher Prinzessin tragen.

Bei allem jecken Frohsinn denken Johannes III. und Yvonne II. aber auch an andere: Den Schal mit dem Session-Motto „Goch auf Trab“ und dem Gocher Harlekin gibt es für acht Euro zu kaufen; der Erlös ist für den Verein „Needy Kids“ bestimmt, den Susanne Binn gegründet hat. Der Verein kümmert sich um die Schul- und Berufsausbikldung von bedürftigen Kindern und Jugendlichen in Uganda. Bei der Thronrede überraschten die Tollitäten ihr Publikum dann ein weiteres Mal: Prinzessin Yvonne II. schmetterte das Sessonlied „Wir sind die Reiter“ das es eine Freude war!

Startrompeter Lutz Kniep zog das Publikum mit einer fulminanten Lasershow in seinen Bann.
Startrompeter Lutz Kniep zog das Publikum mit einer fulminanten Lasershow in seinen Bann.

„Zwei Hondongs auf einer Bühne ergibt eine grandiose Zeitüberscheitung“, meinte Josef Hondong mit Blick auf die Uhr und ließ das närrische Programm beginnen. Entertainer Jörg Hammerschmidt gab den „Eisbrecher“ mit seinen gekonnten Parodien der Promis. Da sang Peter Maffay ein Duett mit Heino, Angela Merkel sprach das Grußwort zum Abend und Howie schmachtete „Helau Again“.
Die Tanzgarden der IPK, des KCC und des SV Viktoria zeigten, wie anmutig Hochleistungs-Tanzsport auf der Bühne aussieht. Nämlich so, als ob nicht monatelanges Training dahinter steht. Solotrompeter Lutz Kniep begeisterte mit seinem musikalischen Können und einer rasanten Lasershow, die zum Lied „Hück steht die Welt still“ von „Cat Ballou“ einen emotionalen Streifzug durch Goch unternahm und die Reitergarde mitsamt ihrem Prinzenpaar portraitierte. Ein Geschenk der Tollitäten war „Der Stallbursche vom Huckschen Hof“ alias Achim Verrieth, der kräftig-deftig und auf platt aus der Stallgasse plauderte. Mit den „Powerladys“ wurde die Party eingeläutet. Pop und Rock hatten sie im Gepäck und holten sich Unterstützung beim Prinzenpaar und dem Bürgermeister – Luftgitarren-Alarm! Nur böse Zungen würden behaupten, dass der Bürgermeister auf dem „Highway to Hell“ in die Knie gegangen ist! Mit den „Kleefse Tön“ endete das Programm, ein musikalischer Höhepunkt, der die Marschrichtung für den Rest der Nacht vorgab.

„Für uns war es einfach perfekt“, schwärmte Prinz Johannes III. beim großen Finale und gab bekannt, dass die Partnerbörse nun geschlossen sei: „Ich habe meine Prinzessin für die nächsten viereinhalb Wochen gefunden, mit dieser Frau an meiner Seite kann nichts mehr schief gehen!“