RHEINBERG. Wie von vielen erwartet brachte der Wahlsonntag noch keine Entscheidung darüber, wer das künftige Stadtoberhaupt von Rheinberg wird. Am 27. September müssen die Bürger noch einmal zur Wahlurne gehen – und haben nun nur noch die Wahl zwischen zwei Kandidaten.

Die Wahlsieger Rosemarie Kaltenbach und Frank Tatzel gratulieren sich gegenseitig. Doch nach dem Shake-hands werden sie nun jeder für sich noch einmal alle Kräfte mobilisieren, um die Stichwahl zu gewinnen.  NN-Foto: I.Maas

Dieses Ergebnis war eher keine Überraschung. Doch die Details des Endergebnisses beinhalten viel Unerwartetes: Einen von Anfang an unangefochtenen Vorsprung für den CDU-Kandidaten Frank Tatzel, eine hauchdünne Niederlage des Grünen-Kandidaten Peter Mokros gegen die SPD-Frau Rosemarie Kaltenbach und ein ausgezeichnetes Ergebnis für den parteilosen Ulrich Hecker.

Über 250 interessierte Rheinberger verfolgten das Kopf-an-Kopf-Rennen um Platz zwei während der Präsentation im Stadthaus am Sonntagabend, die von Hans-Theo Mennicken und Dieter Paus moderiert wurde. Die Auszählung ging zügig voran, bereits um 19.45 Uhr stand das Endergebnis fest: 38,35\% der Stimmen entfielen auf Frank Tatzel, 19,97\% auf Rosemarie Kaltenbach, 19,12\% auf Peter Mokros, 17,34\% auf Ulrich Hecker und 5,22\% auf Jürgen Rützel. Die Wahlbeteiligung lag bei 41,94\%. Doch bis diese Zahlen vorlagen waren drei der Kandidaten durch ein Wellenbad der Gefühle gegangen, denn auch Ulrich Hecker lag zwischendurch durchaus in Reichweite des zweiten Platzes. Nur Frank Tatzel gewann souverän einen Stimmbezirk nach dem anderen, so dass sein Lächeln immer gelöster wurde. Lediglich im Stimmbezirk 7 Alpsray konnte Kaltenbach zwei Stimmen mehr holen als Tatzel, alle anderen Bezirke gingen ebenso wie das Ergebnis der Briefwahl eindeutig an den CDU-Mann. Überhaupt Briefwahl: Die Auszählung dieser Stimmen brachte erst die endgültige Entscheidung. Nach der Auszählung von 21 Stimmbezirken hatte Peter Mokros sich noch als Sieger fühlen können, denn nach anfänglich schwachem Start hatte er Bezirk für Bezirk aufgeholt und lag vor Auszählung der Briefwahlstimmen sogar vor Kaltenbach. Und auch Hecker fehlten nicht viele Stimmen, um in die Stichwahl zu gelangen. Lediglich Jürgen Rützel, der ebenfalls als parteiloser Kandidat angetreten war, durfte sich von Anfang an keine Hoffnungen machen. Er holte zwar insgesamt 567 Stimmen, kam aber zu keiner Zeit als Kandidat für eine Stichwahl in Frage.

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Immerhin 2.808 Wähler hatten ihre Stimme per Briefwahl abgegeben, 1.188 votierten für Tatzel, 631 für Kaltenbach, 427 für Mokros, 422 für Hecker und 115 für Rützel. Damit stand fest, dass Peter Mokros genau 93 Stimmen fehlten – eine bittere Niederlage. „Ich bin nicht angetreten, um Dritter zu werden” zeigte er am Ende des Abends seine Enttäuschung. „Ich wollte in die Stichwahl und habe durchaus auf den zweiten Platz gehofft. Nun muss ich darüber nachdenken, wo ich diese knapp 100 Wähler nicht erreicht habe.” Festlegen wollte er sich noch nicht, wen von den beiden Kandidaten er unterstützen werde, darüber werde zunächst mit allen Gremien der Partei in dieser Woche beraten und dann die Entscheidung bekannt gegeben.

Ulrich Hecker, dem auch nur 286 Stimmen zum nächsten Wahlgang fehlten, will sich seine Entscheidung auch noch genau überlegen, „doch es sieht nicht so aus, dass ich Frank Tatzel unterstützen werde” gab er eine Tendenz an. Er hatte sich zwar mehr Stimmen erhofft, kann das Ergebnis, das er als parteiloser Kandidat erzielt hat, aber dennoch positiv bewerten.

Auch Jürgen Rützel betrachtet sich nicht als Verlierer: „Ich habe alles richtig gemacht und auf ganzer Linie gewonnen” freut er sich über seine 5,22 Prozent. „Die Rheinberg-App soll kommen, das war mein Ziel. Vielleicht werde ich in fünf Jahren wieder antreten” gab er sich weiter kämpferisch. Wem seine Unterstützung gilt, wollte er noch nicht sagen.

Und wie bewerten die beiden Sieger ihr Ergebnis? „Super” freut sich Frank Tatzel. „Ich hatte zwar mit einem Vorsprung gerechnet, aber nicht damit, dass er so deutlich ausfallen würde.” Rosemarie Kaltenbachs Freude fällt dagegen eher verhaltener aus. Ihr fielen nach Auszählung der Briefwahlstimmen Steine vom Herzen. „Ich hätte nicht gedacht, dass es so knapp würde und werde jetzt noch einmal alle Kräfte für die Stichwahl bündeln.”