Im Namen des Volkes: Politik mit Hilfe einer App

Jürgen Rützel kandidiert fürs Bürgermeisteramt - seine Partei sind die Bürger

RHEINBERG. „Wer ins höchste Amt der Stadt möchte muss wissen, wie es unten aussieht!” Das sagt Jürgen Rützel, der in dieses Amt möchte und bei der Wahl in Rheinberg am 13. September als Bürgermeisterkandidat antritt. Er weiß genau, wie es „unten” aussieht, denn er arbeitet seit 14 Jahren als Hausmeister – oder wie es heute heißt: facility manager – an der Europaschule und hat dort den direkten Draht zu Schülern und Eltern aus allen Schichten der Bevölkerung.

Das Smartphone mit einer speziellen Rheinberg-App ist für Jürgen Rützel das wichtigste Instrument, um vollkommen bürgernahe Politik zu gestalten und die Menschen in seiner Stadt zu allen Themen zu Wort kommen zu lassen NN-Foto: Ingeborg Maas
Das Smartphone mit einer speziellen Rheinberg-App ist für Jürgen Rützel das wichtigste Instrument, um vollkommen bürgernahe Politik zu gestalten und die Menschen in seiner Stadt zu allen Themen zu Wort kommen zu lassen NN-Foto: Ingeborg Maas

In Gesprächen wurde oft Kritik an der Rheinberger Lokalpolitik laut und auch er selber hatte viel zu kritisieren. „Es muss sich was ändern” sagt der 43-Jährige. „Aber es macht ja keiner was!” Da er aber nicht nur meckern, sondern selber machen will, hat er sich entschlossen, zu kandidieren. „Das Menschliche in der Politik fehlt” sagt er, „die Nähe zu den Bürgern. Vieles wird viel zu weit weg von dem entschieden, was die Menschen hier wirklich wollen.” Wenn er Bürgermeister wird, will er das ändern. Dabei setzt er voll und ganz auf die neuen Medien, denn das sei der richtige Weg, um in Zukunft bürgernahe Politik zu betreiben. Er will eine spezielle App für Rheinberg installieren, über die man jederzeit seine Meinung zu bestimmten Problemen äußern, über die man sich informieren und die man je nach Alter und Interesse ganz nach seinen persönlichen Bedürfnissen gestalten kann. „Wir könnten damit Vorreiter sein” macht sich Rützel für die App stark, „und die umliegenden Städte würden bestimmt mitziehen.” Auch über die Kosten einer solchen App hat er sich genau informiert, für die Anschaffung seien etwa 6.000 Euro zu zahlen und dann monatlich nur etwa 150 Euro. „Für diese Summe hätte man aber den dauernden permanenten Draht zu denen, für die die Politik ja gemacht werden soll.”

Wenn auch heute noch nicht alle dieses Medium nutzen könnten, würde sich das bald ändern: „In spätestens 20 Jahren besitzt jeder ein Smartphone und wenn wir jetzt schon diesen Weg gehen würden, wären wir allen anderen einen wichtigen Schritt voraus.”

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Recht gibt ihm sicherlich das unerwartete Echo, dass er eben über diese neuen Medien erreicht hat. Seine Ankündigung, auf Wahlkampfplakate zu verzichten und dafür an die Tafel zu spenden, ließ die Klickzahlen in den sozialen Netzwerken so in die Höhe schnellen, dass sich sogar ein Fernsehteam auf den Weg nach Rheinberg machte und über den ungewöhnlichen Kandidaten berichtete. „Ich hatte ja überhaupt nicht mit so einem Echo gerechnet” ist er selbst überrascht, aber er freut sich natürlich über das Interesse.

Und er hat noch viele weitere Sparvorschläge in petto, die er nur machen kann, weil er als Handwerker weiß, wie es geht. „Da ist ein Riesen-Potential, wo gespart werden kann, ohne den Bürger zu belasten. Reine Verwaltungsmenschen können das alles aber nicht wissen” sagt er. Sei es die Grünpflege der Sportplätze, die inzwischen aus Kostengründen eingestellte jährliche Müllsammelaktion oder die Gestaltung der Kreisverkehre – der Handwerker Rützel hat für alles Lösungsvorschläge. „Man muss nur dem Bürger klar machen, dass alles nach dem Motto läuft: Bürger helfen der Stadt – die Stadt hilft den Bürgern! Es ist ein ständiges Geben und Nehmen.”

Er als Handwerker sei ganz sicher in der Lage, dieses Zusammenspiel mit der Verwaltung gut hinzukriegen. „Um Bürgermeister zu werden, muss man keine Verwaltungsfachmann sein” ist Rützel überzeugt. „Man muss sich natürlich in den Job hineinarbeiten, aber das traue ich mir durchaus zu.”

Jürgen Rützel rechnet sich gute Chancen aus, bei der Wahl eine ganze Menge Stimmen zu bekommen. „Ich bin der erste Kandidat in Rheinberg, der parteilos ist und von keiner einzigen Partei unterstützt wird” sagt Rützel. „Meine Partei sind die Bürger und darauf setze ich, dass viele Rheinberger mich wählen, weil sie wissen, dass sie durch mich auch wirklich eine Stimme und vor allem den direkten Draht zur Politik bekommen werden.”