KLEVERLAND. Ohne Nachwuchsförderung läuft es auch beim Radfahren nicht rund. „Aber es ist nicht leicht, junge Leute für diesen Sport zu begeistern“, weiß Robin Schumann von der Radrenngemeinschaft Kleverland (RRG), Mitveranstalter des Radrennens rund ums Tönnissen-Center. Mit dem „Fette-Reifen-Rennen“ steht bei der 17. Auflage am 23. August eine Premiere an: die erste Schulmeisterschaft. Es gibt einen schicken Wanderpokal, die Strecke ist mit sechs Kilometern Länge recht überschaubar, und Rennräder sind nicht gestattet (wie der Name „fette Reifen“ schon sagt). Noch mangelt es allerdings an Teilnehmern.

„Angesprochen sind Mädchen und Jungen der Jahrgänge 2001, 2002 und 2003“, erklärt Schumann. Zwölf- bis 14-Jährige also – „ein schwieriges Alter“, gibt der erfahrene Sportler zu. Dabei ist die Hemmschwelle bewusst niedrig gehalten: Man sollte einfach nur gerne Rad fahren, „ohne einem Verein anzugehören oder gar Rennraderfahrung zu haben“, betont Schumann: „Wir wollen den Kindern die Möglichkeit bieten herauszufinden, ob das Radrennen ihnen Spaß macht und möchten dem Nachwuchs unseren Sport näher bringen.“ Mitmischen können ausdrücklich nicht nur Schüler aus Kleve, sondern auch alle anderen.
Und so gewinnt man den Pokal: Anhand eines Punktesystems werden die Einzelleistungen der Jungen und Mädchen für die Platzierung ausgewertet. Die Ergebnisse der vier besten Teilnehmer einer Schule werden zusammengerechnet, das Team mit der höchsten Punktzahl gewinnt den Wanderpokal für seine Schule. In der Einzelwertung erhalten die Sieger und Platzierten Pokale, ein Jahr lang kostenfreie Mitgliedschaft bei der RRG Kleverland und Sachpreise. Die Teilnahme an der Schulmeisterschaft ist kostenlos.

Jede Menge Tipps und Tricks möchte Robin Schumann schon vor dem eigentlichen Rennen vermitteln. Jeden Donnerstag ist um 17 Uhr Treff auf dem Parkplatz des Hagebaumarkts am Klever Ring. „Es ist kein schweißtreibendes Training“, gibt Robin Schumann Entwarnung. Vielmehr gehe es darum, den Windschatten zu erkennen, die Fahrlinie einzuhalten oder zu lernen, wie man am besten durch die Kurve fährt. „Grundlagen eben“, sagt der Profi.

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Robin und Birte Schumann: Vater und Tochter teilen die Begeisterung für den Radrrennsport. NN-Fotos: Rüdiger Dehnen
Robin und Birte Schumann: Vater und Tochter teilen die Begeisterung für den Radrrennsport.
NN-Fotos: Rüdiger Dehnen

Die hat er vor elf Jahren auch seiner Tochter Birte vermittelt. Mit Erfolg. „Ich habe es einfach mal ausprobiert – und es hat mir Spaß gemacht“, sagt die heute 24-Jährige, die immer noch fleißig trainiert. 2004 ist sie ihr erstes Rennen gefahren – natürlich rund ums Tönnissen-Center. „Damals bin ich Zweite geworden“, erinnert sich die Chemie-Studentin an die Anfänge ihrer sportlichen Laufbahn. Im Jahr darauf wurde eine Lizenz beantragt, und der erste Wechsel stand an. Zunächst ging es für sie zum VfR Büttgen, später zum TV Attendorn. „Die Nachwuchsförderung war dort einfach besser“, erklärt Birte Schumann.

Mittlerweile ist sie sportlich gesehen wieder in der Heimat angekommen. Weil es die im Januar 2014 gegründete RRG professioneller angehen möchte. „Ich würde jungen Leuten raten, es einfach mal zu testen“, sagt die junge Frau, die auch am 23. August wieder an den Start gehen wird. Was für sie den Reiz am Radrennsport ausmacht: „Man erreicht eine unglaubliche hohe Geschwindigkeit – und alles aus eigener Kraft.“ Klar, ein bisschen Bereitschaft zum Trainieren sollte man schon mitbringen. „Natürlich ist auch immer ein bisschen Quälerei dabei“, weiß Schumann aus eigener Erfahrung: „Dafür ist das Gefühl danach umso besser.“
Als Birte Schumann mit 13 Jahren ihre ersten Runden drehte, war sie die mit Abstand jüngste Fahrerin. „Leider“ ist sie es heute immer noch. „Für mich war es damals trotzdem nicht schlimm, dass keine Gleichaltrigen mitgemacht haben“, sagt sie und fügt hinzu: „Meine Freunde ließen sich nicht motivieren, aber in dem Sport ist man in erster Linie ohnehin als Einzelkämpfer unterwegs.“ Sie bestimmt ihr Tempo gerne selbst, sucht sich ihr Gelände aus. In der Woche trainiert sie in Dortmund auf der Radrennbahn, am Wochenende fährt sie zuhause in der Gruppe.

„Wir würden uns freuen, wenn wir junge Talente fördern könnten“, erklärt Robin Schumann. „Schön wäre natürlich, wenn sich eine Gruppe mit jüngeren Fahrern zusammenfinden würde“, mag er die Hoffnung nicht aufgeben. Laut Schumann wäre der Zeitpunkt zum Einstieg für die Zwölf- bis 14-Jährigen optimal. Sein Tipp: Einfach donnerstags mal vorbeischauen.

Verena Schade