UEDEM. Der Titel verrät es schon: Annabel Gräfin von Arnim hat in ihrem neuen Bildband „Geliebte Niederrheinlande“ einen grenzüberschreitenden Blick auf ihre Heimat geworfen. Herausgekommen sind dabei 14 Tagestouren durch eine alte Kulturlandschaft, die jetzt im Gocher Pagina Verlag erschienen sind. Die Touren, die meistens in Uedemerbruch starten, hat die Gräfin alle selbst unternommen und die Fotos stammen zum größten Teil auch von ihr. Sie hat das Wetter und das Licht abgepasst und manche Ziele drei-oder viermal angesteuert, um den Wechsel der Jahreszeiten, zum Beispiel in Gärten, zu dokumentieren.

Dabei hat Gräfin Annabel bewusst auf eine Digitalkamera verzichtet. Die Papierabzüge wurden dann später für das Buch eingescannt. Gerade der leicht unscharfe Eindruck gefällt ihr. Das wirke wie ein impressionistisches Bild, sagt sie. Alte Fotos vom Rhein-Hochwasser bei Rees in den 1990er-Jahren oder von Schlittschuhläufern auf dem Xantener Rheinarm sind ebenso mit eingearbeitet,wie historische Fakten. „Die Geschichte des Niederrheins ist sehr reich“, weiß Gräfin Annabel.

Die Begeisterung und die Freude über die schöne Landschaft wollte sie teilen, und die Tatsache bekannt machen, dass der Niederrhein auch seine Höhenzüge hat: unter anderem das Pfalzdorfer Plateau und die Sonsbecker Schweiz. „Eine Beschreibung der Höhenzüge findet man in kaum einem Buch über den Nieder-rhein“, sagt sie. Jeder Tour ist ein eigenes Kapitel gewidmet. Der Rahmen ist weit gesteckt: Gräfin Annabel war in den Kreisen Kleve und Wesel und in den angrenzenden Niederlanden unterwegs. Und sie hat doch noch wieder etwas Neues gefunden: „Ich kannte die Maasduinen überhaupt noch nicht, dort war es wunderbar! Man glaubt ja gar nicht, was man hier noch alles entdecken kann.“ Verleger Franz Engelen sieht das Buch denn auch als ideale Ergänzung zum sich entwickelnden Tourismus am Niederrhein. „Das Buch enthält viele Dinge, die von Touristen so nicht angesteuert werden würden“, da ist sich auch die Gräfin sicher. Gedacht sei es für alle diejenigen, die den Niederrhein lieben und die Interesse daran hätten, ihr Wissen über diese Landschaft zu vertiefen.

„Die Idee hinter dem Buch ist uralt,“ erzählt Gräfin Annabel, „bis zur Fertigstellung hat es knapp drei Jahre gedauert.“ Zuerst seien die Fotos da gewesen und danach habe sie erst einmal sortiert. „Das Buch entwickelte sich im Gespräch, bei Gräfin Annabel zuhause“, beschreibt Franz Engelen den Gestaltungsprozess. Denn das Layout entstand nicht am Bildschirm, sondern Texte und Bilder wurden – wie früher – auf Satzspiegel aus Papier geklebt. „Da konnte man 30 Seiten hintereinander ausbreiten und sehen, wie sie wirken“, erzählt Franz Engelen. „Mir hat das Layout großen Spaß gemacht, das kannte ich nicht“, erinnert sich die Gräfin an die gemeinsame Arbeit.

Einmal mehr hat sie der Liebe zu ihrer niederrheinischen Heimat Ausdruck verliehen. Den einen einzigen Lieblingsort hat sie nicht. Am Rhein sitzen, „am bsten zwischen Kühen“ und den vorüberziehenden Schiffen nachschauen, oder den „traumhaft friedvollen Ausblick“ auf den Uedemerbrucher Höhenzug genießen, das alles macht für Gräfin Annabel Heimat aus. Ein neues Projekt hat sie auch schon im Hinterkopf: „Darüber möchte ich aber jetzt noch nicht sprechen.“ Erhältlich ist der jüngst erschienene Bildband in allen Buchhandlungen und beim Pagina Verlag. Von der 2.000 Stück umfassenden Erstauflage sind bereits 200 Bücher verkauft.
Corinna Denzer-Schmidt