„Leute meckern, finden aber keine Lösungen für die Probleme“

Schüler des Jan-Joest Gymnasiums besuchten den Europaabgeordneten Karl-Heinz Florenz in Brüssel

KALKAR/BRÜSSEL. „Das war der Höhepunkt unseres Projektes“, berichtet Politiklehrer Hans-Jürgen Heßling: „Niemand hätte damals daran gedacht, dass wir als Abschluss des Projektes U-18 Wahlen das Europaparlament besuchen“.  
Schüler der zehnten Klasse des Jan-Joest Gymnasiums Kalkar besuchten den Europaabgeordneten Karl-Heinz Florenz im Europaparlament in Brüssel. Im vergangenen Jahr hatten die Schüler an der bundesweiten U-18 Europawahl teilgenommen und ein Wahllokal an der eigenen Schule organisiert. Neben der eigentlichen Wahl wurden auch Wunschboxen aufgestellt, in die Jugendliche Stimmen und Anregungen an die Stadt Kalkar und an das Europaparlament richten konnten.
Anschließend wurden diese dem Bürgermeister der Stadt Kalkar, Gerhard Fonck und dem Mitglied des Europaparlaments, Karl-Heinz Florenz überreicht. Florenz lud aufgrund des Einsatzes der Klasse die Schüler in das Europaparlament ein und stellte dafür auch einen Bus. Auch die Stadt Kalkar unterstütze die Fahrt finanziell.
In Brüssel nahm sich der Abgeordnete Florenz über zwei Stunden für die Klasse Zeit. In dieser Zeit diskutierten die Schüler mit Florenz über Themen wie die Maut, sinkende Wahlbeteiligung, TTIP und auch Windkraft. „Ich hätte mich gerne noch etwas intensiver mit dem Thema TTIP beschäftigt, sagt Sina Rodermond, Schülerin am Jan-Joest Gymnasium, „denn ich persönlich bin anderer Meinung als Herr Florenz und hätte gerne Argumente für meine Meinung dargelegt“. Karl-Heinz Florenz gab den Schülern des Jan-Joest Gymnasiums aber auch einige Hinweise mit auf dem Weg: „Viele Leute haben viel zu meckern“, zitiert ihn Frederike Kathstede, „aber finden keine Lösungen für diese Probleme“.

„Wir haben den Gipfel unserer Reise erreicht“: So bezeichnete Politklehrer Hans-Jürgen Heßling den Besuch in Brüssel. NN-Foto: mh
„Wir haben den Gipfel unserer Reise erreicht“: So bezeichnete Politklehrer Hans-Jürgen Heßling den Besuch in Brüssel.
NN-Foto: mh

Nach der Diskussion führte der Europaabgeordnete die Klasse in den Plenarsaal des Parlaments. Dort überreichten die Schüler Karl-Heinz Florenz als Dankeschön einen Geschenkkorb: „Wir haben für den Geschenkkorb nur fair gehandelte und lokale Produkte verwendet“, berichtet Steffen Grimske. Hintergrund dieser Aktion ist die Projektwoche am Jan-Joest Gymnasium. Dort beschäftigten sich alle Schüler mit dem Thema „Fair Future“, basierend auf der Multivision „Fair Future 2“, welche vor einigen Monaten in der Aula der Schule vorgestellt wurde. Für Hans-Jürgen Heßling, Politiklehrer am Jan-Joest Gymnasium, war es wohl die letzte Fahrt mit der Schule, da dieser in den Ruhestand geht: „Für mich schließt sich ein Kreis, berichtet Heßling, „als ich Lehrer wurde durfte ich direkt mit einer Klasse nach Brüssel fahren und nun am Ende meiner Zeit als Lehrer durfte ich wieder nach Brüssel fahren“.
Nach dem Besuch im Europaparlament wurde noch eine Führung durch die Stadt gemacht, in der unter anderem der Grand Place besucht wurde.
„Unsere Klasse sagt aber nicht nur, dass etwas geändert werden soll, sondern wir machen auch etwas“, sagt Steffen Grimske. Nach den Sommerferien organisiert die Klasse ein Schokofest, welches sie im Frühjahr bei einem Wettbewerb zum Thema „Faire Zukunft – Faire Schokolade“ mit einem selbst entworfenen Spiel gewonnen hatte. Die Jugendlichen spenden dieses Schokofest an eine Flüchtlingsunterkunft in Kleve. Das Spiel soll außerdem bei einigen Verlagen als Vorschlag eingereicht werden. Und wer weiß – vielleicht findet man schon bald das Spiel zum Thema „Faire Schokolade“ in den Regalen.

Marvin Hoffmann

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